Phänomene

Montag, 22. Oktober 2012

Homo Farmer trifft Biene Meier - BuchkäuferInnen beim Wort genommen

Leicht verdientes Geld macht man mit Büchern in den seltensten Fällen. Wer die Welt der Bücher auch von ihrer weniger romantischen Seite - nämlich von hinter der Verkaufsbudl aus- kennt, der weiß: die Illusion von einer Buchhandlung als einem Ort des Geistes und der Kultur, die muss man mit der Zeit fahren lassen. Entschädigt wird man dafür mit rhetorischen Schmankerl - die man am besten mit stoischer Ruhe hinnimmt. In den Kommentaren hier einige Gustostückerl aus der Wiener Bücherwelt:

Sonntag, 26. August 2012

Shades of Grey und die Erotische Literatur

Der Grund für den Erfolg, der Shades of Grey zur Zeit beschieden ist, bleibt -obschon in den Medien intensiv diskutiert- letzendlich ein Geheimnis, gut gehütet in den Schlafzimmern der LeserInnen. Anlässlich dieses Hypes wollen wir uns als brave Literaturseite nicht lumpen lassen, auch einen eigenen Beitrag zum Bestseller beizusteuern. Wir bitten um Verständnis, dass wir -um uns nicht Googles Unmut zuzuziehen- explizite Ausdrücke wie * oder * in diesem Artikel mit * verschlüsseln werden, und hoffen, das Lesevergnügen wird dadurch nicht allzusehr beeinträchtigt.

E. L. James ist nicht die erste Künstlerin, deren Werke durch explizite Ausrichtung aus heiterem Himmel einen Sturm an Aufmerksamkeit und Aufregung bewirkten.

Hier die ultimative Chronologie zur Erotik in Literatur und Kunst und ihren Folgen:

Schon im 14 Jahrhundert machen Typen wie Giovanni Boccaccio mit Erotischen Werken, etwa dem Decamerone, von sich reden. Jahrhunderte später allerdings konzentriert sich das Interesse an der Novellensammlung nicht mehr in der Leistengegend der des Lesens fähigen Allgemeinheit, sondern vor allem in den zerebralen Windungen von LiteraturwissenschafterInnen.

Im 18 Jahrhundert reicht Sex alleine nicht mehr: als Vorboten der Säkularisierung und des kritischen Umgangs mit den herrschenden Wertesystemen packen Typen wie der Marquis de Sade die Peitschen aus. Die Gesellschaft ist so naiv, darauf zu verfallen, es wäre ihn unangenehm, mit Kerkerhaft bestraft zu werden.

Im 19 Jahrhundert und an der Schwelle zum zwanzigsten Jahrhundert setzt sich der Trend fort: verlotterte Tendenzen in der Gesellschaft spiegeln sich in tendenziösen Werken, etwa denen Leopold Sacher-Masochs, Saltens "Josefine Mutzenbacher" oder Schnitzlers "Reigen" wider.

Im zwanzigsten Jahrhundert ist dann eh schon alles wurscht. Moderne Klassiker wie Georges Bataille, Henry Miller, Benoite Groult oder Anais Nin müssen sich anfangs noch mit "Betitelungen" als freizügige, gar pornografische SkandalautorInnen herumschlagen, regen sonst aber nicht mehr sonderlich auf. Später geraten Sie in vielen Fällen zu großem literarischem Renommee. Charles Bukowski verzeiht man sogar seinen schweren Alkoholismus und sein verlottertes Auftreten: er darf trotzdem Weltliterat bleiben. Die Klassiker der vorigen Jahrhunderte werden zeitgemäß verfilmt.

In jüngerer Zeit findet sich expliziter Sex dann auch in den Schriften ansonsten "unauffälliger" LiteratInnen: wer etwa denkt bei Wilhelm Genazino an *, * oder gar *? Andererseits kommt es immer wieder zu Hypes: Charlotte Roches Feuchtgebiete etwa spielen mit der Grenze zum Erlaubten und Geschmacklosen bzw. diskutieren diese neu. Sie werden von Millionen begeistert oder zumindest interessiert aufgenommen, "für eine Freundin" gekauft und heimlich gelesen. Die Autorin kommt vor lauter Fernsehinterviews monatelang kaum zum Abendessen. Circa vier Jahre später reiht sich "Shades of Grey" als nächster Titel in dieses Phänomen ein. Im Unterschied zu "Feuchtgebiete" scheinen diesmal aber überwiegend Frauen den Titel zu lesen, während "Feuchtgebiete" oft auch von Männern "für ihre Freundinnen" besorgt wurde. In der darstellenden Kunst gilt seit Internet und DVDs endgültig die Regel: porn is bigger than hollywood.

2009 dann der Meilenstein: Uschi Blum macht das Thema hemmungslose Lust mit Ihrem Auftritt bei "Wetten Dass...?" in mitteleuropäischen Haushalten endgültig salonfähig. Wir blenden zurück...



Die Ursachen und die Folgen

Hängt aber der Bucherfolg mit den Assoziationen zusammen, die etwa als Illustrationen zu den vielen Artikeln augenscheinlich werden? (Zum Beispiel hier, hier oder hier) Spielt es eine Rolle, wie Charlotte Roche aussieht- könnte also auch ein dicker, ungepflegter Mann einen Erotikbestseller landen? Würde sich eine attraktivere E. L. James auch eine nenneswerte männliche Leserschaft erschließen können? Und vor allem: haben diese wiederkehrenden Hypes auch eine nennenswerte Auswirkung auf das Liebesleben der Leserschaft und den Umgang mit Sexualität? Diese Fragen werden sich wohl erst vor einem weiten Zeithorizont erschließen. Ich bleibe kritisch und glaube, dass sich nicht viel tun wird. In Erinnerung an einen Management Joke glaube ich, dass es sich um "Bestseller by Helicopter" handelt, die viel Staub aufwirbeln und dann in der Mottenkiste verschwinden. Ob dies nun stimmt oder nicht, bleibt gleichgültig. Wir erfreuen uns abschließend in jedem Falle an folgender trefflichen Illustration, die ich bei ahoipolloi gefunden habe.

Dienstag, 10. Juli 2012

Herr Dokktoor, Herr Professoorr!

Während auf der einen Seite der öffentlichen Diskussion Meinungen stehen, die das österreichische Bildungs- und Hochschulsystem als nicht mehr grundsolide benennen und auch die Akademikerquote als mitunter bedenklich eingestufen, steht abseits der hektischen öffentlichen Debatten eine seelenruhige, etwas selbstzufriedene Gewissheit zumindest der Wiener Bevölkerung: Doktoren werd es bei uns immer gnuag gebm. Denn Wien, so stellt es auch der "Athiopische Prinz" Asfa Wossen-Asserate in seinen "Manieren" fest, ist nicht nur die Hauptstadt einer Republik, in der eine außerordentliche "bürgerliche Titelwut, die bis heute nicht abgenommen hat" zu konstatieren ist, sondern in der "Der Herr Doktor" -vielleicht einzig auf der Welt- "außer von den Fakultäten der Universität auch von den Kellnern verliehen" wird- nämlich, wenn auch nicht zwingend und sicherlich noch von anderen Umständen abhängig, an den, der "eine Zeitung halten kann". Nicht in jedem Café aber wird er noch verliehen, und man muss, wenn auch die Mühsal der Dissertation erspart bleibt, schon auch etwas Glück haben, um einen solchen zu ergattern. Unser Vorschlag wäre weiters, die verleihende Institution in der schriftlichen Anrede durch Initialen zu benennen.

In diesem Sinne verbleibe ich höflichst,
Herr Doktor C.W. R. Hartinger

C.W., i.e. Café Weidinger

Dienstag, 22. November 2011

Immerwährendes Wachstum



Ich glaube, dass in ähnlichen Geräten die Zukunft unseres Wirtschaftssystems zu sehen sein wird. Durch staatlich regulierte Produktion und gezielten Vertrieb dieser Geräte kann dauerhaft ein konstantes Wachstum sichergestellt werden. Um die Umwelt zu schonen, können in der Herstellung gezielt Gebrauchtteile und Sekundärrohstoffe eingesetzt werden. Zudem können mit dem Einsatz in fast allen Wirtschaftszweigen die Produktivitätsraten auf annähernd 100% gesteigert werden: wenn grad nichts zu tun ist, bedienen die MitarbeiterInnen die Maschine. Ebenso beinhaltet dieses Konzept auch die Möglichkeit gezielter politischer Intervention zur Schaffung von Arbeitsplätzen. Eine tolle Maschine.

Montag, 6. Juni 2011

Versuchs mal mit...

Wem betrübliche und niveauloe Nachrichten zum Halse heraushängen, der versuche den Postillon. Wir wünschen gute Unterhaltung!



www.der-postillon.com

Sonntag, 24. Januar 2010

hier entsteht...

...europas erster pseudonymverleih! autorInnen finden bei uns das passende pseudonym für jedes buch!

hier einige beispiele aus unserm sortiment:

peter goge ... für erziehungsratgeber usw.

rainer unfug... für billige satiren, karikaturen...

oder unsere weltbekannte derivatreihe zum erfolgsautor ken follett:

ken follett

ken voellert

kent follow

kent forget

finden auch sie das pseudonym, das am besten zu ihrem buch passt! ab demnächst hier!

Donnerstag, 30. Juli 2009

Wer hats erfunden?

Einigen nun schon etwas älteren Medienberichten zufolge ereigneten sich vor einiger Zeit folgende Ereignisse, von denen -auch wenn sie eben nicht aktuell sind- aufgrund Ihrer außerordentlichen Kuriosität nun auch hier berichtet werden soll:

Der Schweizer Philosoph Tomas Alexander Hartmann, der sich selbst gelegentlich als "größter Philosoph aller Zeiten" bezeichnet haben soll, ließ ein von ihm verfasstes philosophisches Werk ins VLB (Verzeichnis lieferbarer Bücher) eintragen. Als Preis für die im Eigenverlag produzierte 13seitige Broschüre mit dem Titel "Die Aufgabe" bestimmte er satte 153 Millionen Euro. "Nachfrage ... besteht (aber)", so die Süddeutsche, "bislang nicht. Das Buch, von dem es nur ein einziges Exemplar geben soll, wird auf der Luxusmesse "Millionaire Fair“ in München vom 15. bis 18. Mai 2008 erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt. Hartmann begründet den hohen Preis damit, dass er 30 Jahre lang an diesem Buch gearbeitet habe." (sueddeutsche.de) Abgehandelt werden in in "Die Aufgabe", so Hartmann, die drei großen Fragen der Philosophie.

Obschon der Mann also wenig Aussicht hat, "Die Aufgabe" jemals an eine/n KäuferIn zu bringen, ist er nun immerhin Besitzer des offiziell teuersten Buches der Welt. Das hat schon was. Allerdings: meine Suche in den Verzeichnissen, konkret im VLB, blieb bisher ohne Erfolg. Warum scheint dieses Buch, offiziell lieferbar, nicht auf? Rätselhaft. Und siehe da!:

All die Buchliebhaber und Philosophen, die ernstlich solch kuriosen Kauf erwägen, sind wohl mit einem anderen Produkt, das schon länger auf dem Markt und obendrein um ein gutes Stück günstiger ist, besser beraten: dem in der Reihe "Kopfcreme-Philosophie" erschienenen Werk "Der Stein der Weisen", nachzufragen in jeder Buchhandlung (denn es scheint wirklich im VLB auf) oder in Lehmann´s Online-Bookshop bequem von zuhause aus zu bestellen! Preis: 240578.17 Euro. Erfahrenen Buchhändlern zufolge eine echte Occasion, zumal man für dieses Buch früher 8stellige Eurobeträge hinblättern musste. Es wurde also vergünstigt. Und wem trotz dieser günstigen Gelegenheit das nötige Kleingeld fehlen sollte, der kann sich immer noch für die 100 Euro teure "Volksausgabe" entscheiden.

Wenn also Kopfcreme aus der Schweiz stammen sollte, dann kann man getrost dabei bleiben, zu sagen: die Schweizer habens erfunden. Hartmann allerdings hat die Gelegenheit verpasst, das "Prinzip Selbstherrlichkeit" im Bücherbusiness zu erfinden.

Freitag, 8. Mai 2009

Lecker Fleisch!

Das Schnitzel im Wandel der Zeit, das ist es, wovon uns Michaela Ambos heute in einem Artikel auf Lounge.fm berichtet: "Denn nun wurde das Kalbfleisch in Panier quasi liquidiert. MeatWater - dinner in a bottle nennt sich diese ganz eigenartige Form der Kulinarik: Wasser mit wirklich besonderen Geschmacksrichtungen. Und angeblich könne man bei der Ausführung „Wiener Schnitzel” sogar einen Hauch Zitrone und den Kartoffelsalat als Beilage durchschmecken.

MeatWater liefert laut Herstellern den Nährgehalt und den Geschmack von einer ganzen Mahlzeit ohne dieses lästige und zeitaufwändige Kauen. Ich muss gestehen, ich bin da wohl etwas zu altmodisch dafür."

Also ran an das "High Efficiency Survival Beverage". Prost Mahlzeit und Servas!

Mittwoch, 24. September 2008

Paulo Coelho und uns

Vorgestern erschien Paulo Coelhos neuer Roman "Brida" in Österreich. Heute erfahre ich von einem Kollegen, dass besagter Schriftsteller täglich mehrere Stunden im Netz hängt und eben selbst mal gern was bloggt oder bei Flickr hochlädt. Hab dann gleich mal nachgesehen und auch gleich was nettes gefunden ...

Cooelhoo

(Text hier gefunden)

Samstag, 15. März 2008

Hypothesen zur Zwischenwelt

Es heißt ja manchmal, des Menschen Geist bewege sich zwischen Träumen und Wirklichkeit mehr oder weniger frei. Zudem gibt es dann bekanntlich noch Flüssigkeiten, Feststoffe und Gase, die uns Orientierung erschweren. Dem Menschen wird auf diese Weise ein mehrdimensionales Erleben möglich. Allerdings kann es durch die Überlappung der Dimensionen Raum I ("Wirklichkeit") und Raum II ("Traum") sowie Zeit I und Zeit II zu Wechselwirkungen (Interferenzen) kommen. Möglich sind die sogenannte destruktive Interferenz ("Auslöschung") sowie die konstruktive Interferenz ("Verstärkung"), aber auch alle andern Möglichkeiten, die sich durch Verschiebung der Phasen ergeben.

Interferenz

Dadurch wird eine Rekonstruktion der Ereignisse durch den im System befindlichen Erlebenden unmöglich; er muss auf Beobachtungen von Aussenstehenden zurückgreifen, wie etwa: "Du warst von dann bis dann mit uns da und bist dann um ... dorthin."

Wien, Wien, nur du allein!

Hier findet Ihr, was wir gefunden haben:

● Kaffeehäuser
Viennese Coffee Houses

● Restaurants

● Buchläden

● Besonderes und "Geheimtipps"

Alles im Überblick: mit der cafe.twoday-Wienkarte

Tipps für Ausflüge ins Grüne: Into the Green

Wien in Bildern und Infos:
Die Stadtportraits

Bücher!

Hier findet ihr unsere Buch-, Hörbuch und Filmnotizen von A-Z sowie auch ein Verzeichnis klassischer ErzählerInnen !

Unsere Stadt in der Literatur- darauf will die Rubrik Literatur in Wien eingehen.

Weiters kurze Portraits zu Leben und Werk geschätzter Literaten

Dies und das

Hier einige nette Geschichten, Gedichte, Anekdoten und Zitate

Humor, ob bissig oder bescheiden:
Die Phänomene!

appetizers

24-10-Kafka

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