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Geschichten, Anekdoten, Gedichte und Zitate

Zitat

"Genau hier und jetzt, es ist kurz nach sechs Uhr morgens, und die Sonne steht im Osten tief am wolkenlosen Himmel: eine pralle, selbstbewusst gelblich weiße Kugel, die wie jeden Morgen scheinbar jungfräulich der Zukunft entgegensteigt und in ihrem Gefolge eine stetig wachsende Vergangenheit hinterlässt, die sich zurückweichend verfinstert und uns alle zu Blinden macht."

aus: "Das schwarze Haus" von Stephen King und Peter Straub

Wie lesen?

Die Zeit fließt zäh dahin bei diesem Wetter, an diesen heißen Tagen, die Gedanken sind träge und ich sitze da, denke irgendwas und schaue vor mich hin- und viel mehr is´ nicht... an dieser Stelle also auch diesmal wieder "nur" ein nettes kleines Zitat:

"Ich habe einmal einen Kurs in Schnelllesen besucht und Krieg und Frieden in 20 Minuten gelesen. Es spielt in Russland."
Woody Allen

Wenn du...

... ein Gärtchen hast und eine Bibliothek,
so wird dir nichts fehlen.
Cicero

Zuflucht im Kloster bei Pater Christoforo


Renzo stellte sich vor die Tür und drückte sachte dagegen. Die Tür gab tatsächlich nach, und das durch den Spalt eindringende Mondlicht fiel auf das bleiche Gesicht und den weißen Bart des dahinter wartenden Paters Cristoforo. "Gott sei Dank!" sagte er, als er sah, dass niemand fehlte, und winkte die drei herein. Neben ihm stand ein weiterer Kapuziner, der Bruder Mesner, den er mit Bitten und Argumenten überredet hatte, aufzubleiben, die Tür angelehnt zu lassen und mit ihm hinter ihr zu warten, um die armen Flüchtlinge in Empfang zu nehmen; und es hatte der ganzen Autorität des Paters und seines Rufes als Heiliger bedurft, um den Laienbruder zu so einer ungemütlichen, gefährlichen und regelwidrigen Gefälligkeit zu bewegen. Als die drei eingetreten waren, machte der Pater die Tür leise zu. Nun aber konnte der Mesner nicht länger an sich halten, rief den Pater beiseite und flüsterte ihm ins Ohr: „Aber Pater, Pater! Bei Nacht … in der Kirche … mit Frauen … zuschließen … die Regel!“ Er schüttelte missbilligend den Kopf. Und während er stammelnd diese Worte hervorstieß, dachte Pater Cristoforo bei sich: Sieh einer an! Wenn es ein verfolgter Straßenräuber wäre, würde Fra Fazio ihm nicht die geringsten Schwierigkeiten machen, aber eine arme Unschuldige, die den Klauen des Wolfes entronnen ist … - „Omnia munda mundis“, sagte er sodann unvermittelt zu Fra Fazio, wobei er vergaß, dass dieser kein Latein verstand. Doch gerade diese Vergesslichkeit tat ihre Wirkung. Hätte der Pater begonnen, mit Vernunftgründen zu argumentieren, hätte es Fra Fazio gewiss nicht an Gegengründen gefehlt, und der Himmel weiß, wann und wie die Sache zu Ende gegangen wäre. So aber, als er diese geheimnisvoll klingenden und so resolut gesprochenen Worte vernahm, schien ihm, dass sie die Lösung all seiner Zweifel enthielten. So beruhigte er sich und sagte: „Nun gut, Ihr versteht davon mehr als ich.“

ernst jandls lyrischer wetterbericht

wochen schon hamma hier grauwetter, richtiges s*%wetter. die sonne lässt sich nicht blicken und jeden tag ist wieder alles ...

grau
grauwiegrau
alles ein bisschen grau
nur grau
alles nur grau
nicht nur sondern grau
grauingrauingrauingrau
und gar nicht traurig

ernst jandl_graues gedicht

ein zitat

kunst ist schön, macht aber viel arbeit

Karl Valentin

Anekdoten und Geschichten: Der kleine Sacher


"Ehemals hatte er überhaupt keinen Namen. Keine Firma. Er war zwar kein Niemand. Aber ein Irgendwer. Ein Würstelverkäufer. Ein Gattungsexemplar. Heute hat er sogar einen Titel. Mehr: eine Schutzmarke. Noch mehr: Popularität. Er übersprang jene Stufe auf der Leiter eines Würstelverkäuferlebens, auf der man seinen Namen auf ein Schild malt. Aus einem Würstelverkäufer wurde er- aus Hochachtung möchte ich sagen: ward er, also ward er ein Sacher. Ein kleiner zwar, aber ein Sacher. Das nenn ich Karriere.

Der kleine Sacher besteht aus drei Hauptteilen: Da ist zuerst ein Wagen, dann eine Frau, dann er selbst. Der Wagen hat die Höhe eines Wächterhäuschens und steht auf einem Rädergestell. Man sieht es dem Wagen an, dass er sich aus einem Karren emporentwickelt hat. Im Anfang waren die Räder. Jetzt sind sie immer noch da. Die Frau ist groß, schlank, blondhaarig, blauäugig. Eine etwas billige Germaniakopie. Ein viereckiger Ausschnitt in der Wagenwand- das Fenster- faßt ihre Besonderheit ein. Sie nimmt die Bestellungen der angestellten Kundschaft entgegen und erteilt ihrem Mann Aufträge. Der kleine Sacher selbst schielt. Das ist wichtig. Andere Wurstzeughändler schauen geradeaus und gehen dabei zu Grunde. Der kleine Sacher aber vermochte sich alle seine Vorteile zu erschielen. Ich hätte die ganze Geschichte nicht erzählt, wenn nicht folgendes passiert wäre:
Zwischen jugendlichen Schieberaspiranten stand ein Mädchen vor der Bude und biss in eine saure Gurke. Sie kostete zwei Kronen. Als sie bezahlen sollte, ergaben sich Komplikationen. Sie kramte in ihrem Täschchen. Etwas lange. Es war nur ein Fragment eine Einkronenscheines darin, mühsam zusammengepickt. Und achtundneunzig Heller in Barem. Ich sah nicht recht, aber ich glaube, es schimmerte eine Träne in ihrer Stimme, als sie sagte: Zwei Heller gebe ich ihnen morgen.
Worauf der kleine Sacher zwei große, prachtvolle saure Gurkenexemplare in die "Kronenzeitung" steckte und sie dem Mädchen gab. Sie zahlen mir morgen! sagte er.
Nichts weiter.
Das Mädchen ging. Und ich wußte: Der kleine Sacher schielt sozusagen mit dem Herzen ..."

Josephus, 1919

Gekürzt aus:
Joseph Roth, Helmut Peschina
"Kaffeehaus-Frühling- ein Wienlesebuch"
KiWi Taschenbuch, €6,20 [A]

Anekdoten

1897 fiel das Griensteidl – wie auch die Basteien und zahlreiche Gebäude am Graben und am Neuen Markt – der Spitzhacke zum Opfer. Halb nostalgisch, halb ironisch klagte Karl Kraus in "Die demolierte Literatur": "Unsere Literatur sieht einer Periode der Obdachlosigkeit entgegen, der Faden der dichterischen Produktion wird grausam abgeschnitten." Zum Glück existierten andere Cafés weiter. Die Stammgäste des Griensteidl übersiedelten damals ins Café Central. 1990 wurde im Nachfolgegebäude am Michaelerplatz ein neues Café Griensteidl eröffnet, das sich heute bei Einheimischen und Touristen wieder großer Beliebtheit erfreut.

Quelle: http://www.webheimat.at

Anekdoten

Ein Journalist macht eine aufschlußreiche, gleichwohl geheimnisvolle Beobachtung: "Immerzu gehen Leute ins Café Hawelka hinein, und keiner kommt wieder heraus. Was macht der Hawelka eigentlich mit seinen Gästen?"

Friedrich Torberg
(www.cafe-schottenring.at)

becketts langeweile

"unsere zeit ist so aufregend, dass man die menschen eigentlich nur noch mit langeweile schockieren kann"

Samuel Beckett

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