Der Verdacht des Mr. Whicher
oder Der Mord von Road Hill House
... heißt das Buch mit dem ansprechenden, old-school-Krimi-Cover, das, im August erschienen, da und dort aus den Krimiregalen hervorlugt. Zwei Titel, von denen man keinen einen Untertitel nennen möchte, denn jeder von ihnen würdigt zwei Dinge, die diese "wahre Begebenheit" untrennbar miteinander verbunden hat: das Leben des Kriminalpolizisten Jack Whicher und jenen berühmten und rätselhaften Mord in Road Hill House.
In aller Kürze: Auf einem englischen Landhaus wird eines Morgens ein Kind vermisst und wenig später ermordet in der Latrine aufgefunden. Die Ermittlungen liefern kaum brauchbare Indizien, werden durch Ermittlungsfehler und Rivalitäten erschwert. Besonders die Bewohner des Hauses stehen unter Verdacht. Je undurchsichtiger das Verbrechen sich darstellt, desto mehr Unbehagen, Rummel und Aufregun entsteht darum unter den Beteiligten und in der Öffentlichkeit.
Kate Summerscales "Der Verdacht des Mr. Whicher" ist aber kein Kriminalroman. Es ist ein Bericht über einen historischen Kriminalfall, penibel recherchiert und gewoben aus Fakten und Quellen. Mit mehr als 300 Fussnoten und Anmerkungen schweift es weiter aus, als nur vom Verbrechen selbst oder vom ermittelnden Inspector Whicher zu erzählen. In weitem Schwung wird es ebenso zu einem Sachbuch über die Urspünge der Kriminalistik, über das Verbrechen als soziales Phänomen und zum Ansatz des Psychogramms einer Gesellschaft, die sich an Blutigkeiten förmlich ergötzt. Und ebenso zu einem Sachbuch über die frühe englische Kriminaliteratur selbst- im Spiegel der historischen Ereignisse und Entwicklungen der Zeit, die sie geprägt haben.
Eine Kriminalgeschichte also ebenso wie ein Sachbuch. Dem ist es wohl auch geschuldet, dass das eine dem Anderen des öfteren für einige Seiten weichen muss. Ich persönlich empfand manche Exkurse oder Ausflüge ins Literarische zugegebenermaßen als unwillkommene Abschweifung. Das will aber nur etwas über meinen Lesegeschmack und nicht über die Kurzweiligkeit des Buches aussagen. Interessant und gut lesbar ist "Der Verdacht des Mr Whicher" nämlich allemal. Es fesselt halt nicht wie "echte" Krimis die Aufmerksamkeit des Lesers mit diesem oder jenem literarischen Spannungselement, sondern packt ihn, anders, berichtend, eher bei seinem Interesse.
Kate Summerscale
Der Verdacht des Mr Whicher oder Der Mord von Road Hill House
Bloomsbury Berlin, Gebunden
€ 20,50 [A]
[Leseprobe]
... heißt das Buch mit dem ansprechenden, old-school-Krimi-Cover, das, im August erschienen, da und dort aus den Krimiregalen hervorlugt. Zwei Titel, von denen man keinen einen Untertitel nennen möchte, denn jeder von ihnen würdigt zwei Dinge, die diese "wahre Begebenheit" untrennbar miteinander verbunden hat: das Leben des Kriminalpolizisten Jack Whicher und jenen berühmten und rätselhaften Mord in Road Hill House.
In aller Kürze: Auf einem englischen Landhaus wird eines Morgens ein Kind vermisst und wenig später ermordet in der Latrine aufgefunden. Die Ermittlungen liefern kaum brauchbare Indizien, werden durch Ermittlungsfehler und Rivalitäten erschwert. Besonders die Bewohner des Hauses stehen unter Verdacht. Je undurchsichtiger das Verbrechen sich darstellt, desto mehr Unbehagen, Rummel und Aufregun entsteht darum unter den Beteiligten und in der Öffentlichkeit.
Kate Summerscales "Der Verdacht des Mr. Whicher" ist aber kein Kriminalroman. Es ist ein Bericht über einen historischen Kriminalfall, penibel recherchiert und gewoben aus Fakten und Quellen. Mit mehr als 300 Fussnoten und Anmerkungen schweift es weiter aus, als nur vom Verbrechen selbst oder vom ermittelnden Inspector Whicher zu erzählen. In weitem Schwung wird es ebenso zu einem Sachbuch über die Urspünge der Kriminalistik, über das Verbrechen als soziales Phänomen und zum Ansatz des Psychogramms einer Gesellschaft, die sich an Blutigkeiten förmlich ergötzt. Und ebenso zu einem Sachbuch über die frühe englische Kriminaliteratur selbst- im Spiegel der historischen Ereignisse und Entwicklungen der Zeit, die sie geprägt haben.
Eine Kriminalgeschichte also ebenso wie ein Sachbuch. Dem ist es wohl auch geschuldet, dass das eine dem Anderen des öfteren für einige Seiten weichen muss. Ich persönlich empfand manche Exkurse oder Ausflüge ins Literarische zugegebenermaßen als unwillkommene Abschweifung. Das will aber nur etwas über meinen Lesegeschmack und nicht über die Kurzweiligkeit des Buches aussagen. Interessant und gut lesbar ist "Der Verdacht des Mr Whicher" nämlich allemal. Es fesselt halt nicht wie "echte" Krimis die Aufmerksamkeit des Lesers mit diesem oder jenem literarischen Spannungselement, sondern packt ihn, anders, berichtend, eher bei seinem Interesse.
Kate Summerscale
Der Verdacht des Mr Whicher oder Der Mord von Road Hill House
Bloomsbury Berlin, Gebunden
€ 20,50 [A]
[Leseprobe]
Tarass - 28. Dez, 23:36
Tarass - 18. Jun, 22:47
ab herbst im taschenbuch! lohnt, lohnt noch mehr!
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