Michael Stavarič: Magma
"Magma" ist Michael Stavarič´ neuester Roman und neben einigen Prosa- und Lyrikveröffentlichungen sowie auch Kinderbüchern sein dritter Roman. Sein Prosadebut stellte 2005 "Europa- eine Litanei" dar, der erste Roman war "stillborn", erschienen 2006 im Residenz-Verlag. Für sein bisheriges Werk wurde er als "eines der größten Talente der österreichischen Literatur" (NZZ) und "Glamrocker unter den österr. Jungliteraten- schnell, originell und modebewusst" (Falter) sehr gelobt, und ebenso mit Literaturpreisen wie u.a. dem Förderpreis zum Adelbert von Chamisso-Preis 2007 mehrfach ausgezeichnet.
Der Roman selbst ist schwer zu beschreiben: er ist formlos, gewissermaßen auch grenzenlos: Der Erzähler ist ein Beobachter, allgegenwärtig, unscheinbar, und immer schon dagewesen. In seinen Beobachtungen und Erzählungen hebt er die Grenzen rund um Raum, Zeit und Realismus auf. Er erzählt vom Schicksal der Menschheit, von allem Anfang an, ist bei Katastrophen dabei, plaudert mit Freibeutern und Kaisern, hilft bei den Aufräumarbeiten nach Pompeij. Im Hier und Jetzt besitzt er ein kleines Zoogeschäft, wohnt mit einem Hamster -Bruno-, den er irgendwann verletzt im Stiegenhaus liegend gefunden und zu sich aufgenommen hat, zusammen, und bekommt ab und zu Besuch von seinem Freund, dem Handschriftenbegutachter. Nebenbei achtet er penibel darauf, nur nicht mit Wasser in Berührung zu kommen.
"Michael Stavaric surft durch die Jahrhunderte, vor und zurück, landet in anderen Erdzeitaltern und ist mit einem Satz wieder im Jetzt. Er bringt uns eine Kunde, Trost und Warnung: Alles fließt, selbst die Steine, aber auch der Teufel schläft nicht. Geschichte besteht bei Michael Stavaric aus Geschichten, aber tausenden – solchen, die Sie so noch nicht gehört haben. Hier geht es um alles, von Anbeginn … bis zum Ende, das nicht happy sein wird, aber auch nicht bitter." (Residenz-Verlag)
"Es ist nicht von der Hand zu weisen, die Verschwörung der Vulkane, es gibt sie. Hässliche Gesellen, die selbst Ozeane verdampfen, und mehr noch, ihre Krater haben sich festgebissen in der Welt, sich ins Erdreich gebohrt, das lässt sich nicht mehr beheben. 1883, ich erinnere mich, als wäre es gestern gewesen, ich wollte gerade zu Bett gehen, als plötzlich der Krakatau detonierte, selbst in zweitausend Kilometer Entfernung riss die Explosion noch Menschen aus ihren Träumen. Wer hätte gedacht, wie laut der Tod sein kann. Siebzigtausend Menschenleben mit einem Schlag getilgt, und eine ganze Insel versank im Meer. Zunächst ein Ausbruch wie viele andere, der Vulkan schien bei Laune und spie seine Lava in die Atmosphäre, später folgten ein paar Wellen, zehn Meter und mehr, sie spülten dreihundert Dörfer weg, ein Dampfschiff landete vier Kilometer landeinwärts auf einer Hühnerfarm. Und doch war das alles nur die Ruhe vor dem Sturm, der Berg gab sich stumm und ließ sich Zeit, man begann bereits mit den ersten Aufräumarbeiten, als mir meine schweißnassen Hände auffielen, wie sie Geröll zur Seite schoben, wohl wissend, dass es diesmal nicht so glimpflich abgehen würde. Ich kenne die Schuld, meine Ungeduld, ich kann mich doch sehen lassen, ohne Flossen und Pelz, entlang der Längen-, Breitengrade, ich meine, dienen Vulkane nicht der Landgewinnung? Gewiss!
Kurz darauf die Explosion. Zunächst querte ein Lichtblitz den Himmel, die Grundfesten der Erde schienen zu beben, und jemand schoss ein Foto, das später als Postkarte beim Jüngsten Gericht die Runde machen sollte. Ehe man sich´s versah, hatte die Druckwelle den Erdball umrundet, die ganze Welt blickte zum Himmel und gewahrte einen jener seltenen Augenblicke, in dem alles Kopf steht. Unheilvolle Stille legte sich über die Szenerie, weit oben schwebten Aschewolken inmitten grandioser Sonnenuntergänge, es hieß, das Ende der Welt sei nunmehr gekommen. Das Ende, es war ausnehmend schön." (Auszug)
Was macht dieses Buch so ansprechend? Es ist amüsant, humorvoll, skurril, kurzweilig. "Magma" ist anspruchsvoll, die Lektüre aber keineswegs mühsam. Besonders ansprechend ist für mich die Tatsache, dass ich nicht glaube, alles verstanden habe- denn Magma ist ein Buch, das nicht auf eine bestimmte Weise verstanden werden will, und so auf verschiedenste Arten, mit verschiedensten Gedanken, gelesen werden kann.
Michael Stavarič
Magma
Residenz Verlag, Hardcover
EUR 19,90
ISBN: 978-3-7017-1506-0
Mit freundlichem Dank für Abbildung und Auszug an den Residenz-Verlag.
Der Roman selbst ist schwer zu beschreiben: er ist formlos, gewissermaßen auch grenzenlos: Der Erzähler ist ein Beobachter, allgegenwärtig, unscheinbar, und immer schon dagewesen. In seinen Beobachtungen und Erzählungen hebt er die Grenzen rund um Raum, Zeit und Realismus auf. Er erzählt vom Schicksal der Menschheit, von allem Anfang an, ist bei Katastrophen dabei, plaudert mit Freibeutern und Kaisern, hilft bei den Aufräumarbeiten nach Pompeij. Im Hier und Jetzt besitzt er ein kleines Zoogeschäft, wohnt mit einem Hamster -Bruno-, den er irgendwann verletzt im Stiegenhaus liegend gefunden und zu sich aufgenommen hat, zusammen, und bekommt ab und zu Besuch von seinem Freund, dem Handschriftenbegutachter. Nebenbei achtet er penibel darauf, nur nicht mit Wasser in Berührung zu kommen.
"Michael Stavaric surft durch die Jahrhunderte, vor und zurück, landet in anderen Erdzeitaltern und ist mit einem Satz wieder im Jetzt. Er bringt uns eine Kunde, Trost und Warnung: Alles fließt, selbst die Steine, aber auch der Teufel schläft nicht. Geschichte besteht bei Michael Stavaric aus Geschichten, aber tausenden – solchen, die Sie so noch nicht gehört haben. Hier geht es um alles, von Anbeginn … bis zum Ende, das nicht happy sein wird, aber auch nicht bitter." (Residenz-Verlag)
"Es ist nicht von der Hand zu weisen, die Verschwörung der Vulkane, es gibt sie. Hässliche Gesellen, die selbst Ozeane verdampfen, und mehr noch, ihre Krater haben sich festgebissen in der Welt, sich ins Erdreich gebohrt, das lässt sich nicht mehr beheben. 1883, ich erinnere mich, als wäre es gestern gewesen, ich wollte gerade zu Bett gehen, als plötzlich der Krakatau detonierte, selbst in zweitausend Kilometer Entfernung riss die Explosion noch Menschen aus ihren Träumen. Wer hätte gedacht, wie laut der Tod sein kann. Siebzigtausend Menschenleben mit einem Schlag getilgt, und eine ganze Insel versank im Meer. Zunächst ein Ausbruch wie viele andere, der Vulkan schien bei Laune und spie seine Lava in die Atmosphäre, später folgten ein paar Wellen, zehn Meter und mehr, sie spülten dreihundert Dörfer weg, ein Dampfschiff landete vier Kilometer landeinwärts auf einer Hühnerfarm. Und doch war das alles nur die Ruhe vor dem Sturm, der Berg gab sich stumm und ließ sich Zeit, man begann bereits mit den ersten Aufräumarbeiten, als mir meine schweißnassen Hände auffielen, wie sie Geröll zur Seite schoben, wohl wissend, dass es diesmal nicht so glimpflich abgehen würde. Ich kenne die Schuld, meine Ungeduld, ich kann mich doch sehen lassen, ohne Flossen und Pelz, entlang der Längen-, Breitengrade, ich meine, dienen Vulkane nicht der Landgewinnung? Gewiss!
Kurz darauf die Explosion. Zunächst querte ein Lichtblitz den Himmel, die Grundfesten der Erde schienen zu beben, und jemand schoss ein Foto, das später als Postkarte beim Jüngsten Gericht die Runde machen sollte. Ehe man sich´s versah, hatte die Druckwelle den Erdball umrundet, die ganze Welt blickte zum Himmel und gewahrte einen jener seltenen Augenblicke, in dem alles Kopf steht. Unheilvolle Stille legte sich über die Szenerie, weit oben schwebten Aschewolken inmitten grandioser Sonnenuntergänge, es hieß, das Ende der Welt sei nunmehr gekommen. Das Ende, es war ausnehmend schön." (Auszug)
Was macht dieses Buch so ansprechend? Es ist amüsant, humorvoll, skurril, kurzweilig. "Magma" ist anspruchsvoll, die Lektüre aber keineswegs mühsam. Besonders ansprechend ist für mich die Tatsache, dass ich nicht glaube, alles verstanden habe- denn Magma ist ein Buch, das nicht auf eine bestimmte Weise verstanden werden will, und so auf verschiedenste Arten, mit verschiedensten Gedanken, gelesen werden kann.
Michael Stavarič
Magma
Residenz Verlag, Hardcover
EUR 19,90
ISBN: 978-3-7017-1506-0
Mit freundlichem Dank für Abbildung und Auszug an den Residenz-Verlag.
Tarass - 10. Nov, 20:34




