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Montag, 22. September 2008

Albert Drach: Das große Protokoll gegen Zwetschkenbaum

Bei dem Buch, das ich euch heute vorstellen möchte, handelt es sich um eine Satire, welche ich derzeit ja sehr gerne lese. Autor ist in diesem Falle Albert Drach, Titel ist "Das große Protokoll gegen Zwetschkenbaum". Aufs Korn genommen wird die Österreichische Justiz. Von ihr verfolgt findet sich der (damit absolut überforderte, ausweglos hilflose) Schmul Leib Zwetschkenbaum, Wegelagerer und Talmudschüler. Bezichtigt des Zwetschkendiebstahls gerät Zwetschkenbaum unversehens in die Mühlen der österreichischen Justiz. Der Roman ist überaus gelungen im Protokollstil der Justiz gehalten (Drach war selbst Anwalt), und es sind für mich auch gerade diese juristisch-bürokratischen Sachkonstruktionen, Erklärungen und Vokabeln, durch die die Komik erst in vollem Ausmaß zur Geltung kommt. Dass es anfangs etwas schwieriger ist, sich da durchzuarbeiten, soll aber niemandem abschrecken- das legt sich bald, und man wird dann zweifellos für die anfänglichen Mühen belohnt.

Dass der Antisemitismus in Österreich eine lange (weit vor die Nazis zurückreichende) Tradition hat, ist kein Geheimnis. Was Drach aber hier im Jahre 1938 so gelungen erdichtet (bzw. erahnt), nämlich die willkürliche Verfolgung und Kriminalisierung eines beliebigen, bevorzugt mosaischen Bürgers durch Staat und Justiz, sollte dann schon ganz kurze Zeit später traurige Realität werden.

Um euch aber nun eine kleines Beispiel von der Beschaffenheit des Romans zu geben, möchte ich euch eine kleine Textstelle daraus präsentieren:

Auf dem Feld des Josef Binder bemächtigte er sich der vollständigen Ausstaffierung einer dort zur Wegtreibung schädlicher Singvögel aufgestellten Holzpuppe, nämlich Reste einer alten Hose, eines Rockes und eines Hutes. Er behauptet, sich des unerlaubten Eingriffs in fremdes Eigentum nicht bewußt geworden zu sein. Er habe gemeint, diese Dinge wären vom Eigentümer als nicht nicht von ihm benötigt zur beliebigen Ansichnahme seitens Vorübergehender »weggelegt« oder, besser gesagt weggehängt worden. Diese Darstellung wird aber schon durch die Tatsache entkräftet, dass sich besagte Gegenstände in einer durch Meilensteine kenntlich gemachten, nicht allgemein zugänglichen Privatparzelle und nicht auf dem zirka 50 Meter davon entfernten öffentlichen Bezirksweg befanden. Mit dem Putze erwähnter Vogelscheuche angetan, setzte Zwetschkenbaum seine Anstaltsflucht fort, wobei er wahrscheinlich gebettelt hat. Er selbst behauptet allerdings, ein fremder Herr, über dessen nähere Beschaffenheit, Alter, Aussehen und Kleidung er keinerlei Erklärungen abgeben konnte, hätte ihm unaufgefordert jene sechs heller übergeben, mit welchen er vom Bäcker Alexander Palineder ohne Übermittlung der vorgesehenen Rationierungsmarken das überdies wegen Kriegsfalls amtlich nicht zugelassene Kleingebäck erstanden habe. Gegen vier Uhr nachmittags dürfte er sich [dann] dem Grundstück des Johann Hinterroder erstmalig genähert haben.

(Auszug)

Albert Drach
Das große Protokoll gegen Zwetschkenbaum
Roman
dtv-Taschenbuch

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