Leo Perutz: Nachts unter der steinernen Brücke
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Leo Perutz Roman "Nachts unter der Steinernen Brücke" erzählt von der geheimnisvollen Welt des spätmittelalterlichen Prags. Die Stadt ist Residenz des Heiligen Römischen Reiches. Am Fusse der Burg liegt alte Judenstadt. Daraus schuf Perutz ein kunstvolles Werk über eine "zaubervolle versunkene Welt (dtv)", "glaubhaft bis ins kleinste historische Detail" (F. Torberg) und durchzogen von einem "komplexen Geflecht aus Liebe, Schuld und Sühne"(dtv). Anfangs mag der Roman etwas befremden: jedes Kapitel gilt als eigene kleine Novelle, hat eigene Protagonisten. Je weiter man aber liest, desto mehr wird deutlich: der Roman ist kunstvoll gewoben aus diesen einzelnen (scheinbar unzusammenhängenden) Geschichten, die alle um eine geheimnisvolle Mitte kreisen.
Perutz entlehnt der Stoff des Romans dem Gesehenen, kraftvoll Erlebten wie ebenso der "Geschichte, der Sage und Legende Prags"(1), und schreibt voll Faszination und Zuneigung über das Leben, das dereinst die Stadt bevölkerte. Er verwebt im Epilog schließlich sogar Erlebtes mit Erdichtetem, Eindrücke aus Prag mit den lyrischen Inhalten seiner Novellen (2): "Um die Jahrhundertwende, zu der Zeit, als ich fünfzehn Jahre alt und Schüler des Gymnasiums war- ein schlechter Schüler, der dauernd Nachhilfe benötigte- sah ich die prager Judenstadt zum letztenmal, und in meiner Erinnerung lebt sie, wie sie sich damals mir zeigte."(3)
Das Buch ist also nicht nur ein Bildnis der alten Prager jüdischen Kultur, sondern es ist- zwischen 1943 und 1951 vollendet- schließlich auch ein "Bild einer Epoche, deren Kultur erst [zu dieser Zeit] unwiderruflich endete."(1)
(1.) Hans-Harald Müller im Nachwort
(2.) Leo Perutz wurde 1882 in Prag geboren und siedelte 1899 mit der Familie nach Wien über (dtv)
(3.) Epilog des Romans
Katrin Bock (Radio Praha): Die Geschichte der Prager jüdischen Gemeinde
Tarass - 7. Jul, 16:54




