John von Düffel: EGO
„Ein Turbo-Egoist im Fitness- und Karrierewahn:
Jeden Morgen steht er vor dem Spiegel und mißt seine Bauchnabeltiefe. Jeden Abend modelliert er im Fitness-Studio seinen Muskelpanzer: immer auf dem Weg zur »Alpha-Anatomie«. Brusthaar rasieren oder nicht – das ist die Frage, die unserem Helden nachts den Schlaf raubt. Philipps Leben bewegt sich zwischen Diät und Dauerflirt, Trizeps und Transatlantikflügen. Mit Körper und Karriere, Frauen und Erfolg jongliert er meisterhaft. Diesem Solisten ist nichts wichtiger als Wirkung.“ (dtv)
Der für mich interessanteste Aspekt von John von Düffels „EGO“ war das ständige Eifern um Perfektion, um´s Gesehen-werden. Der Stil- ein einfacher, wie ich finde, ohne Besonderheiten oder große Höhepunkte. Der angenehme Nebeneffekt- man kriegt auch Lust, was für seinen Körper zu tun. Das Manko- der athletische Einstieg, der dann zur ständigen Wiederkehr von Stairmaster und Aufbaunahrung in unterhaltsamen, leider aber auch eintönigen Monologen mutiert.
Dann aber, im Nachhinein, dämmerte es mir herauf, dass John von Düffel hier ja vielleicht den Leser selbst mal "absolut Athlet" sein lässt, ihm kurzerhand die Staffel in die Hand drückt und ihn am Dauertraining und immergleichen Lebensmarathon seines Protagonisten teilnehmen lässt. Ja- vielleicht ist´s wirklich Absicht, dass man sich gerade durch dieses Buch mit Ausdauer durchbeissen muss. Es wird im Nachhinein dadurch besser verständlich.
Etwas Abwechslung gibt´s dann aber nach dutzenden Seiten auch: Dialoge!- Nicht übertönt durch physiologische und karrieretechnische Monolog-Gedankenfluten. Zwei Menschen setzen sich da plötzlich wirklich miteinander (-und nicht nur mit sich selber, wie bisher gewohnt-) auseinander!
Gut so. Denn für den schlichten "Lesegenuß" ist es wahrscheinlich doch die ewig einseitige Perspektive, die „EGO“ nach wenigen Kapiteln einschlafen lässt.
EGO
Roman von John von Düffel
Tarass - 26. Jun, 08:04




