Buddenbrooks
So, nun möchte ich euch in aller Ausführlichkeit von Thomas Manns (ins Hörspiel gebrachte) Buddenbrooks - Verfall einer Familie sprechen. Wenn ihr interessiert seid lest ihr vielleicht den ganzen langen Beitrag durch, und findet ihn vielleicht sogar interessant. Und vielleicht habt ihr auch Lust, über Thomas Mann, sein Werk oder das, was es thematisiert, zu reden, zu philosophieren oder zu psychologisieren oder soziologisieren oder pädagogisieren:). Könnte sicher interessant werden.
Vor einiger Zeit habe ich euch also in diesem Beitrag von der neuaufgelegten Thomas Mann-Hörspielreihe seiner drei umfassendsten Werke, der Buddenbrooks, des Zauberbergs und des Doktor Faustus erzählt. Ich habe nun die Buddenbrooks ganz zu Ende gehört und finde: ein gelungenes Hörspiel, nach einer vermutlich ebenso großartigen Romanvorlage (hab das Buch noch nicht gelesen).
Viele Szenen des mir Erzählten streiften mein Bewusstsein beim Hören wie aus dem beständigen Vorbeiziehen des Erlebens vierer Generationen einer Kaufmannsfamilie heraus. Sie regten meine Gedanken an, in Thomas Manns Erzählung einzutauchen, in der die erzählten Inhalte förmlich nur als Oberfläche über die ganze Tiefe und Einsicht dieses Werkes dahinströmen. (Das Wort Erzählung find ich treffender, weil Buddenbrooks -für mein Verständnis- weniger ein Roman ist; es wird für mich ganz eindeutig erzählt ... )
Die mir bedeutensten dieser anregenden Szenen fand ich am Ende des Stückes, wenn die Individuuen aus dem im Innern morschen Konstrukt der Familie und Firma Buddenbrook herausbrechen. Jeder der Protagonisten hat sich -auf seine Art- diesem Konstrukt verpflichtet. Und es ist diese Zeit, in der die grossen Widersprüche auftauchen, und für jeden von ihnen immer mehr und mehr Verleugnung und Anstrengung dazu nötig sind, um einen Kompromiss zwischen Sein-für-sich-selbst und Sein-in-der-Gesellschaft zu finden. Und es ist diese Zeit, in der die letzten aus sich heraus schaffenden Namensträger sterben, in denen all dies noch eins, nicht Widerspruch, war.
Diese Zerfallsstimmung wird vor allem am Brüderpaar Senator Thomas Buddenbrook und Christian und am Verhältnis zwischen Thomas und seinem Sohn Hanno deutlich. Und hier, als sich die Geschichte zum Ende neigt, geschieht es auch, dass die Erzählung leicht ins Biographische geht, wenn sich in Hanno, Thomas´ Sohn, die endgültige Wendung vom sachlich-kaufmännischen Wesens des Urgrossvaters und Grossvaters zum musischen Wesen des Enkels hin vollzieht. Dazwischen Thomas, der standhaft für der Väter Tradition einsteht, und Christian, der sich einem perspektivlosen Leben ergibt.
Ich denke, es ist hier sicher gut, wenn man Leidenschaft für für diese Zeit, 1830 bis 1880, hat, weil´s doch auch ein Stimmungsbild vergangener Zeit ist. Es ist aber sicher auch für viele andere interessant, weil Fragen und Gedanken aufgerollt werden, wie sie heute genauso zwischen dem heranreifenden Individuum (das, glaube ich, doch seine eigene Wahrheit hat, oder sie zumindest ahnt und zu ihr hinstrebt) und der Umwelt (womit ich in diesem Fall Menschen meine, nicht Klimawandel und Treibhauseffekt ;) ) stellen. So schreibt Samuel Lublinski 1902 voll des Lobes im Berliner Tageblatt "und darum eben, weil sich in den Buddenbrooks ein erlebtes und tief empfundenes Weltgefühl mit einer bewußten Kunst innig verbunden hat, deshalb bleibt dieser Roman ein unzerstörbares Buch. Es wird wachsen mit der Zeit und noch von vielen Generationen gelesen werden [...]" (Link zum Zitat ist das Buchcover oberhalb).
Vielleicht ist dabei der folgende Ausschnitt der richtige, um abschliessend als das Beispiel, das mir den Anstoss gab, diesen Artikel zu schreiben, gebracht und in den Raum gestellt zu werden-
So handelt es sich um einen Gedanken, der für mich Wahrheit ist und den man in folgenden (weil ich´s nicht auswendig kann leicht abgewandelten) Worten auf dem Blog meines Freundes Jan lesen kann: Dass Bildung nicht das Befüllen von Fässern, nein, sondern das Entzünden von Flammen ist. Im Text wird dies folgendersmaßen ausgedrückt: "Herrn Modersons Karriere ist nun auch dahin. Er wird nie Oberlehrer werden, der Arme. Ja, es gibt Hilfslehrer und Oberlehrer, aber Lehrer gibt es nicht. Dies ist nun etwas, was man nicht so leicht verstehen kann, weil es nur für ganz Erwachsene ist, und solche, die vom Leben gereift sind. Man könnte sagen jemand ist ein Lehrer oder er ist keiner, aber wie jemand Oberlehrer sein kann, das versteht man nicht. Man könnte damit vor den lieben Gott hintreten oder vor den Herrn Dr. Mantelsack und es ihnen auseinandersetzen - was würde geschehen? Sie würden es als Beleidigung nehmen und einen wegen Unbotmäßigkeit vernichten, während man doch eine sehr viel höhere Meinung von ihrem Beruf an den Tag gelegt hätte, als sie sie selber besitzen. Ach, lass sie, sie sind alle Nashörner."
Anm.: Versteht mich jetzt nicht falsch, ich bin mir bewusst dass die -insbesondere durch das drastische Bild- vielleicht wie eine übertriebene und nicht zeitgemäße Kritik wirkt. Ich mache selbst momentan eine -wenn auch tertiäre, so doch sehr schulähnlichen Ausbildung. Was ich sagen wollte, ist, dass ich diese Problematik trotzdem noch sehr stark mit- oder nachempfinden kann, und ich sie noch heute in Schulen (wenn auch in weniger strengem Kleid) erkennen kann oder muss.
Zum Buch
Zum Hörbuch
(Einen weiteren, doch recht unterschiedlichen Familienroman findet ihr im gestrigen Beitrag über John Düffels "Vom Wasser".)
Vor einiger Zeit habe ich euch also in diesem Beitrag von der neuaufgelegten Thomas Mann-Hörspielreihe seiner drei umfassendsten Werke, der Buddenbrooks, des Zauberbergs und des Doktor Faustus erzählt. Ich habe nun die Buddenbrooks ganz zu Ende gehört und finde: ein gelungenes Hörspiel, nach einer vermutlich ebenso großartigen Romanvorlage (hab das Buch noch nicht gelesen).
Viele Szenen des mir Erzählten streiften mein Bewusstsein beim Hören wie aus dem beständigen Vorbeiziehen des Erlebens vierer Generationen einer Kaufmannsfamilie heraus. Sie regten meine Gedanken an, in Thomas Manns Erzählung einzutauchen, in der die erzählten Inhalte förmlich nur als Oberfläche über die ganze Tiefe und Einsicht dieses Werkes dahinströmen. (Das Wort Erzählung find ich treffender, weil Buddenbrooks -für mein Verständnis- weniger ein Roman ist; es wird für mich ganz eindeutig erzählt ... )
Die mir bedeutensten dieser anregenden Szenen fand ich am Ende des Stückes, wenn die Individuuen aus dem im Innern morschen Konstrukt der Familie und Firma Buddenbrook herausbrechen. Jeder der Protagonisten hat sich -auf seine Art- diesem Konstrukt verpflichtet. Und es ist diese Zeit, in der die grossen Widersprüche auftauchen, und für jeden von ihnen immer mehr und mehr Verleugnung und Anstrengung dazu nötig sind, um einen Kompromiss zwischen Sein-für-sich-selbst und Sein-in-der-Gesellschaft zu finden. Und es ist diese Zeit, in der die letzten aus sich heraus schaffenden Namensträger sterben, in denen all dies noch eins, nicht Widerspruch, war.
Diese Zerfallsstimmung wird vor allem am Brüderpaar Senator Thomas Buddenbrook und Christian und am Verhältnis zwischen Thomas und seinem Sohn Hanno deutlich. Und hier, als sich die Geschichte zum Ende neigt, geschieht es auch, dass die Erzählung leicht ins Biographische geht, wenn sich in Hanno, Thomas´ Sohn, die endgültige Wendung vom sachlich-kaufmännischen Wesens des Urgrossvaters und Grossvaters zum musischen Wesen des Enkels hin vollzieht. Dazwischen Thomas, der standhaft für der Väter Tradition einsteht, und Christian, der sich einem perspektivlosen Leben ergibt.
Ich denke, es ist hier sicher gut, wenn man Leidenschaft für für diese Zeit, 1830 bis 1880, hat, weil´s doch auch ein Stimmungsbild vergangener Zeit ist. Es ist aber sicher auch für viele andere interessant, weil Fragen und Gedanken aufgerollt werden, wie sie heute genauso zwischen dem heranreifenden Individuum (das, glaube ich, doch seine eigene Wahrheit hat, oder sie zumindest ahnt und zu ihr hinstrebt) und der Umwelt (womit ich in diesem Fall Menschen meine, nicht Klimawandel und Treibhauseffekt ;) ) stellen. So schreibt Samuel Lublinski 1902 voll des Lobes im Berliner Tageblatt "und darum eben, weil sich in den Buddenbrooks ein erlebtes und tief empfundenes Weltgefühl mit einer bewußten Kunst innig verbunden hat, deshalb bleibt dieser Roman ein unzerstörbares Buch. Es wird wachsen mit der Zeit und noch von vielen Generationen gelesen werden [...]" (Link zum Zitat ist das Buchcover oberhalb).
Vielleicht ist dabei der folgende Ausschnitt der richtige, um abschliessend als das Beispiel, das mir den Anstoss gab, diesen Artikel zu schreiben, gebracht und in den Raum gestellt zu werden-
So handelt es sich um einen Gedanken, der für mich Wahrheit ist und den man in folgenden (weil ich´s nicht auswendig kann leicht abgewandelten) Worten auf dem Blog meines Freundes Jan lesen kann: Dass Bildung nicht das Befüllen von Fässern, nein, sondern das Entzünden von Flammen ist. Im Text wird dies folgendersmaßen ausgedrückt: "Herrn Modersons Karriere ist nun auch dahin. Er wird nie Oberlehrer werden, der Arme. Ja, es gibt Hilfslehrer und Oberlehrer, aber Lehrer gibt es nicht. Dies ist nun etwas, was man nicht so leicht verstehen kann, weil es nur für ganz Erwachsene ist, und solche, die vom Leben gereift sind. Man könnte sagen jemand ist ein Lehrer oder er ist keiner, aber wie jemand Oberlehrer sein kann, das versteht man nicht. Man könnte damit vor den lieben Gott hintreten oder vor den Herrn Dr. Mantelsack und es ihnen auseinandersetzen - was würde geschehen? Sie würden es als Beleidigung nehmen und einen wegen Unbotmäßigkeit vernichten, während man doch eine sehr viel höhere Meinung von ihrem Beruf an den Tag gelegt hätte, als sie sie selber besitzen. Ach, lass sie, sie sind alle Nashörner."
Anm.: Versteht mich jetzt nicht falsch, ich bin mir bewusst dass die -insbesondere durch das drastische Bild- vielleicht wie eine übertriebene und nicht zeitgemäße Kritik wirkt. Ich mache selbst momentan eine -wenn auch tertiäre, so doch sehr schulähnlichen Ausbildung. Was ich sagen wollte, ist, dass ich diese Problematik trotzdem noch sehr stark mit- oder nachempfinden kann, und ich sie noch heute in Schulen (wenn auch in weniger strengem Kleid) erkennen kann oder muss.
Zum Buch
Zum Hörbuch
(Einen weiteren, doch recht unterschiedlichen Familienroman findet ihr im gestrigen Beitrag über John Düffels "Vom Wasser".)
Tarass - 12. Feb, 14:22




