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Samstag, 12. Januar 2008

Turrinis tollster Tag

Turrini-in-actionWer ist dieser Mann? Seltsam genug sieht er ja aus. Es ist der Graf von Forlinpopoli! Es ist Turrini selbst, der österreichische Autor und Regisseur, als Graf Forlinpopoli! In seinem Stück "Die Wirtin" (frei nach Goldoni) im Jahre 1985 als Darsteller beim Wiener Gemeindehoftheater.

Das Gemeindehof-
theater
war eine Produktion der Wiener Festwochen und brachte das Stück in den Innenhöfen der Gemeindebauten.(mehr...)
Turrini selbst schlüpfte dort wie oben erwähnt in die Rolle des Grafen. Über seine Erlebnisse berichtet er später in einem Gespräch: "Ich fürchtete mich sehr vor meinem Auftritt und probte alles bis ins kleinste Detail. Die Premiere begann verspätet, weil der Hausmeister die Darstellerinnen der Dejanira und der Ortensia irrtümlich in die Garderobe eingesperrt hatte. Von Anfang an war ein tauber Pensionist nicht bereit, seinen Fernseher leiser zu stellen oder sein Fenster zu schließen. Im ersten Akt gab es eine Unterbrechung, weil vier Pompfüneberer (Sargträger) einen Sarg aus einer Wohnung durch den Innenhof trugen. Aber das war nicht das Schlimmste. Das Schlimmste war Nicola Filippelli -ich erinnere mich genau an diesen Schurken- mit seinem Versuch, mich in einer Streitszene, die wir miteinander zu spielen hatten, zum Lachen zu bringen. Mitten in seinen Sätzen ließ er wie eine Echse seine Zunge hervorschnellen und wieder verschwinden, bis ich mein Lachen nicht mehr zurückhalten konnte, unfähig war, weiterzuspielen, und von einem Lachanfall geschüttelt die Bühne verließ."

Nun - wenn das Bild oder die kurze Anekdote nun euer Interesse an Turrini geweckt haben, und ihr auf amüsante Komödien mit viel Witz und einigem Scharfsinn Lust habt, die manchmal beinah zum Balanceakt zwischen Komödie und Tragödie werden, dann kann ich euch dieses Büchlein ans Herz legen: Peter Turrini: Der tollste Tag.

Darin sind die beiden Komödien "Der tollste Tag" und "Die Wirtin" enthalten, die beide Themen wie Adelsstand, Eros und Anstand auf amüsante Art und Weise auf die Hörner nehmen und ordentlich herumwirbeln. Ach ja, und noch eine Besonderheit an diesen Stücken: Turrini bringt nicht nur eine Handlung auf die Bühne, sondern er spricht durch seine Figuren mit dem Publikum; sie wenden sich in Monologen an die Zusehenden und sprechen mit ihnen. Um euch eventuell auf den Geschmack zu bringen nun zwei kleine Ausschnitte:

Fabrizio (ein Kellner) Seltsam, diese hohen Herrschaften. Wenn ihnen die Hosen zu eng werden reden sie von den unendlichen Weiten der Sehnsucht. Der Arsch zittert ihnen vor Geilheit, aber sie reden von der Seele, die ihr Innerstes bewegt. Der Speichel tropft ihnen aus dem Maul, aber sie nennen es eine Erregung, die sanft über die Dämme ihrer Lippen flutet. Es muß was Schönes um die Bildung sein.

* * *

Graf: 100 Gulden, mein letztes Wort.
Don Guzmann (der Ortsrichter): Gratuliere, Herr Graf. Ich darf noch hinzufügen, dass diese exquisite Form des Urteils besonders bei Hofe reißenden Absatz findet. Herr Graf haben Geschmack.
Zettelkopf (der Gerichtsdiener) reicht dem Grafen Papier und Feder: Zu dienen, Exzellenz.
Graf: Was will dieser Diener [...]?
Don Guzmann: Der Bestellschein. Eine Formsache, Herr Graf.
Graf (liest): Ein Urteil in Sonderausführung, hundert Gulden. Plus zehn Prozent Intrigantensteuer, zehn Gulden. Rechtsbeugungstaxe, in Klammern stempelpflichtig, fünfzehn Gulden. Verdrehungs- und Verschleierungszulage, elf Gulden. Anteiliger Gewissensschwund, zwei fünfzig. Summa summarum, hundertachtunddreißig fünfzig. Was soll das?
Don Guzmann: Die Extras sind im Preise nicht inbegriffen, wenn ich bemerken darf.

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