Dienstag, 25. September 2007

Geschätzte Prosa

Für eure liebsten Kurzgeschichten, Erzählungen und Romane - hier könnt ihr Empfehlungen, Berichte und Gedanken darüber niederschreiben und selbstverständlich auch Eigenes vorstellen!
Berenice - 25. Sep, 21:03

Schokolade

Diesen Text habe ich für einen Schreibwettbewerb mit dem Thema "Schokolade" geschrieben:

Ich träumte ich wäre aus Schokolade. Wir lagen zusammen in einem kühlen Raum. Schwere Vorhänge hielten die Sonne zurück. Kerzen, die kaum Wärme ausstrahlten, hingen an den Wänden und tauchten das Zimmer in schummriges Licht. Dein Schatten wurde an die Wand geworfen und flackerte unruhig. Du standest vor mir, ratlos. Nackt und zitternd, ich spürte die Wärme deines Körpers. Ich nahm deine Hände und zog dich ins Bett. Sanft küsste ich dich mit Lippen aus dunkler Schokolade. Nachdem du von meiner Süße gekostet hattest, fingst du an mich am ganzen Körper zu küssen. Du liebkostest meine Brüste, die unter der Berührung deiner Lippen schmolzen. Mit meinen Händen streichelte ich jeden Zentimeter deines Körpers und auch du wurdest zu Schokolade. Doch nicht so dunkel wie ich. Deine Haut war weiß, gemacht aus zarter Milch. Wir umarmten uns, klebten immer mehr aneinander. Deine Liebe durchströmte meinen Körper und Glücksgefühle ließen mich erschauern. Wir wurden eins durch die Hitze unserer Leidenschaft. Verschmolzen zu einem einzigen Gebilde für alle Ewigkeit. Als ich erwachte lag ich in deinen Armen und bedauerte, dass wir nicht aus Schokolade sind.

Tarass - 25. Sep, 21:43

Hmmm....
Tarass - 25. Sep, 22:12

Abends

Ein älteres Haus. Das Gartentor führt von der Straße herein, ein Weg führt an der Längsseite des Hauses an dessen Hinterseite. Es ist finster und stürmt; es regnet nicht, doch es ist nasskaltes Wetter; es nieselt leicht. Feuchte, kalte Dunkelheit. Auf dem feuchten Boden kleben Blätter. Die nassen Äste eines großen Baumes, die sich wie ein Dach über die Personen wölben, wogen im Winde. Es tritt ein Mann durchs Gartentor, geht eiligen Schrittes an der Längsseite des Hauses vorbei zur Hinterseite. Er hüllt sich in seinen Mantel, um sich vor der Nacht zu schützen. Dort an der Hinterseite steht ein stämmiger Mann vor einer Türe, die Arme gut im Mantel verborgen. Er steht schon lange hier, es scheint, als müsse er hier stehn. Denn er bewacht die Pforte. Der Eintretende tritt eilig heran, deutlich wird seine Ungeduld bemerkbar. Die massive Trägheit, die Unverrückbarkeit des Wächters kommt zum Ausdruck.

So folgt denn ein Gespräch

>Sie sagen, sie kennen dich nicht.
>Aber wie kann das sein? Wir sind doch Freunde, kennen einander seit langer Zeit, haben uns beigestanden in schweren Tagen, und nun sollten sie mich nicht kennen? Lass mich ein, lass mich zu ihnen vor. Du wirst sehen, alles wird sich aufklären. Sind sie alle versammelt? Gewiss handelt es sich um einen Irrtum, ein bloßes Missverständnis.
>Nein, Herr, eine Verwechslung ist es mit Sicherheit nicht. Lasse ich dich vor, so wird es dir nicht nützen. Bleib nicht, um zu warten, um auszuharren, denn es hat keinen Sinn. Hast du mit deiner Zeit nichts anzufangen?
>Wieso lässt du mich nicht ein? Wieso soll ich nicht eintreten?
>Um nicht auch das noch zu verlier´ n, was dir geblieben ist. Die, die ihr sucht, werdet ihr hier nicht finden.
>Aber wie sollte das sein? Das ist doch jenes Haus, ich kenne es; wir waren oft gemeinsam hier.
>Nein, Herr, sucht nicht, denn ihr sucht, was ihr nicht finden könnt. Was ihr von ihnen wisst, was ist denn das? Es ist nichts, denn alles davon liegt bereits in der Vergangenheit, und wissen tut ihr nichts voneinander. Könnt ihr denn sagen, ihr kenntet sie? Fällt es euch so leicht, zu sagen, ihr hättet euch beigestanden? Und letztlich – seid ihr sicher, dass ihr sie sucht? Und überhaupt – einen Rat gebe ich euch noch: vertraut nicht darauf, dass sich die Dinge niemals ändern. Nun gehe ich, Herr.

Der stämmige Mann steckt die Hände in die Taschen des durchnässten Mantels, denn seine Schuldigkeit ist getan, er dreht dem Eintretenden den Rücken zu und geht ruhigen, festen Schrittes in die Nacht hinaus.

Nun, da ich vor der Tür alleine war, sprach ich: Welch seltsame Dinge mir träumen! Mir ist ganz seltsam zu Mute. Welch ungünstigen Zeitpunkt habe ich gewählt, denn sie sind nicht zu Hause. Ich mache mich nun besser auf den Weg, denn ich bin müde, und bald, so scheint es mir, verschwimmen mir Traum und Wirklichkeit.

by Hardingar

Tarass - 23. Nov, 06:02

Der kleine Gott

beigetragen von billy303 am 3. Oktober 2007

Schnecke. Es ist beinahe unmöglich, mir Deine Perspektive zu eigen zu machen.
Ich bemühe mich dennoch und beobachte Dich in Deiner unendlich bedächtigen Art der Fortbewegung. Du kriechst den Boden vor meinen Füßen entlang und beabsichtigst (oder denkst Du vielleicht gar nicht darüber nach?), die alte Mauer des verwilderten Gartens zu erreichen - Du hast alle Zeit der Welt dazu.

Es gibt nichts, das Dich drängen könnte, nichts, worüber Du Dir Sorgen machen müsstest.

Für Dich gibt es nur Deinen Weg, den Du seit wohl undenklichen Zeiten mit aller Dir eigenen Geduld zurückzulegen scheinst.
Dich kümmert nicht die Bedrohung, Du spürst nicht die Bedrohung, die Dir auf diesem Pflaster seit Urzeiten begegnen kann.
Du kennst nur Weg und Ziel - nichts sonst ist für Dich von Belang.

Du bewegst Dich in Deiner eigenen Welt, zu der ich keinen Zugang zu haben scheine. Du bemerkst mich nicht einmal.

Für Dich bin ich nicht von Bedeutung, völlig ungeachtet meiner körperlichen Größe, ungeachtet auch meines Schattens,
den ich im Sonnenlicht auf Dich werfe.

Du empfindest weder Furcht noch Zorn darüber, dass ich Deinen Lauf mit meinen Augen aufmerksam verfolge.
Weg und Ziel, nichts sonst findet in Deinem Bewusstsein Platz.
Aber ich bringe es auf den Punkt:
Nichts von all dem interessiert mich wirklich.
Ich sehe Dich, und ich sehe das Sonnenlicht auf Deinem Schneckenhaus funkeln.
Ich kann sogar, wenn ich mich etwas bemühe, die Spur sehen, die Du auf dem Asphalt hinterlassen hast.
Ich bewundere auch die Tatsache, dass Du immer noch lebst und Dein Ziel im Auge behalten kannst,
trotz all der Menschen und Fahrzeuge, die Deinen Weg gekreuzt haben müssen.

Dennoch ist nichts davon für mich von Belang.
Ich beneide Dich um die Ausschließlichkeit und Sorglosigkeit Deines Lebens.
Es kränkt mich, Deine Vollkommenheit anerkennen zu müssen.
Und obwohl Du fast das Ziel Deiner langen Reise erreicht hast, Deine Fühler fast die Mauer erspüren können, gefällt es mir, Gott zu sein für Dich.
Ich gehe weiter, ohne das Knirschen unter meinem Absatz besonders zu beachten.
Einige Tränen kann ich trotzdem nicht unterdrücken - und ich verdamme mich dafür, dass ich weine.

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