Ein junger Meister
Nicht nur Schachliebhaber (ich bin ja selbst keiner) wird Thomas Glavinic´ Roman "Carl Haffners Liebe zum Unentschieden" zu fesseln vermögen. In kraftvollen und lebendigen Schilderungen führt der junge Wiener Autor auf knapp 200 Seiten viele wunderbar spannend gezeichnete Figuren im Rahmen der Schachweltmeisterschaft Wien/Berlin von 1910 zusammen. Die Handlung des Romans ist historisch an das wirkliche Ereignis angelehnt. Im Mittelpunkt steht die Figur Carl Haffners -des zurückhaltenden "Meisters des Remis" wie des unaufdringlichen und bescheidenen jungen Mannes-, steht dessen Lebensgeschichte, sein Zusammentreffen mit einer jungen Frau, vor allem aber auch sein Aufeinandertreffen auf den vielmaligen deutschen Schachweltmeister Emanuel Lasker. Im "nervenaufreibenden Kampf bündeln sich die Kräfte zweier Persönlichkeiten, wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten" (dtv), bis schließlich der junge Haffner sich gegen den als unbesiegbar Geltenden zum Angriff wendet...
Doch da der junge Meister nun das für ihn so untypische Spiel auf Sieg wagt muss er seine Lage -auf dem Schachbrett wie in seinem Leben- neu bedenken. Ihm stellt sich die Frage zwischen Verweigerung und Kampf. Mit seiner Unschlüssigkeit kommt gleichsam Unruhe über den jungen Mann und sein Spiel ...
Tarass - 14. Mai, 14:28




